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Lebenshilfe Celle feiert Rohbaufest in Bergen

und erinnert an NS-Opfer

Bewusst hat die Lebenshilfe Celle den Termin am Freitagnachmittag für das Rohbaufest gewählt. An der Mozartstraße in Bergen entsteht ein zweigeschossiger Neubau mit einer Nettogrundfläche von 1300 Quadratmetern und 24 Zimmern sowie zwei Apartments. "Hier sind wir – und wir leben – und wir leben mitten unter Menschen. Wir freuen uns in einer aufbrechenden und aufblühenden Stadt zu leben", sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle, Clemens Kasper, mit Blick auf den heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. "Es ist mir ein ganz besonderes Anliegen, diese beiden Ereignisse zusammen zu sehen."

BERGEN. Die Erinnerung dürfe nicht enden, sie müsse auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. "Es ist deshalb wichtig, eine Form des Erinnerns zu praktizieren, die in die Zukunft wirkt", sagte Kasper in Anlehnung an die Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. "Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken." Mit dem Rohbaufest wolle man dem Gedenken einen weiteren, einen positiven Aspekt anfügen: "So wie wir hier stehen, so wie wir in wenigen Monaten einziehen werden, leben wir gerne und leben wir ab jetzt mitten unter Menschen, die uns willkommen heißen", so Kasper.

Er erinnerte daran, dass Millionen Menschen in den Konzentrationslagern vernichtet wurden und dass ganz in der Nähe der neuen Einrichtung die Gedenkstätte des Gefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen an die über 120.000 Menschen erinnert, die dort als Opfer des NS-Regimes untergebracht waren, von denen über 50.000 starben. "Und wird denken insbesondere an die Hunderttausenden Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen, die während der NS-Zeit in ganz Europa systematisch getötet, zwangssterilisiert und/oder Opfer von Menschenversuchen wurden", sagte Kasper.

Im Sommer soll das Haus Mozartstraße der Lebenshilfe fertiggestellt sein. Dann ziehen die neuen Mieter, die bisher am Wulfshornberg in Hustedt leben, ein. Die neue Wohnstätte in Bergen bietet kurze Wege zum Einkaufen, zu Ärzten, Banken, Freizeiteinrichtungen und zur Arbeit sowie zu weiteren Angeboten der Stadt. Bergen wurde zudem als neuer Standort ausgewählt, da sich dort schon einige Werkstätten der Lebenshilfe befinden. Die Beschäftigten können so schneller zwischen Zuhause und der Arbeit pendeln.

Kasper berichtete, dass das Haus so konzipiert sei, dass auf Veränderungen, sei es die Änderung des Unterstützungsbedarfs oder eine neue Gesetzeslage, reagiert werden könne. "Der linke Teil des Hauses kann je nach Bedarf erst im Erdgeschoss, später auch im Obergeschoss zu Appartementwohnungen mit ambulanter Unterstützung, wie wir es bereits in Wathlingen realisiert haben, umgestaltet werden", sagte Kasper. "Diese Wohnbereiche sind dann durch einen separaten Eingang, Treppenhaus und Fahrstuhl zu erreichen."

Cellesche Zeitung / Seite 21

Samstag, 27. Januar 2018

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