nach oben




|

Inklusives Wohnen möglich

Nach Umzug sind Arbeitsplätze und Geschäfte für Behinderte gut erreichbar

BERGEN. 24 Zimmer und zwei Apartments entstanden beim Neubau der Lebenshilfe in der Mozartstraße im Bergen. Fast ein Jahr länger mussten sich die Mieter in Hustedt gedulden, bis sie in das neue Wohnhaus und das neue inzwischen muntere und wieder belebte Wohngebiet einziehen konnten. Vor drei Jahren standen die Planer der Lebenshilfe vor einer großen Brache und einem zwar frisch erbauten durch den Wegzug der Briten jedoch vollkommen leerstehendem Wohnviertel. Mut, Zuversicht und viel Vorstellungskraft war erforderlich, um sich auszumalen, dass die 24 Hustedter Mieter nicht in einen unbewohnten Stadtteil ziehen würden.

Ursprüngliche Ideen, Teile der ehemaligen britischen Wohnungen und umgebauten Wohnblocks oder die leerstehenden Doppelhaushälften zu nutzten, konnten den Anforderungen nicht entsprechen. Ein Standort in der Stadt Bergen sollte es aber sein.

Am vergangenen Freitag wurde das neue Gebäude offiziell eröffnet. Der zweigeschossige Neubau im Musikerviertel in Bergen bietet eine Nettogrundfläche von rund 1300 Quadratmetern. Das Haus steht auf einem Grundstück von rund 3000 Quadratmetern. Bau und Ausstattung entsprechen heutigem Standard.

Wohnangebote für 12 bis 26 Personen werden hier vorgehalten; durch die flexible Raumgestaltung können ohne großen Aufwand Ein- oder Zweizimmerappartements geschaffen, Einzeln- oder Paarwohnen realisiert werden, für Menschen mit und ohne Behinderung, auch mit und ohne Rollstuhl; voll unterstütztes oder fast selbständiges Wohnen ist hier möglich. Separate Zugänge lassen den Eindruck eines Heimes erst gar nicht aufkommen. Die obere Etage und das Dachgeschoss sind barrierefrei mit einem Fahrstuhl zu erreichen.

Gemeinschaftsräume werden nach individuellen Bedürfnissen ausgestattet und verfügen über eine kleine Küchenzeile, damit die Mieter die Möglichkeit haben, sich kleine Zwischenmahlzeiten zuzubereiten oder ihre Selbständigkeit durch begleitetes Kochtraining zu erweitern. Im Außenbereich bieten Terrassen und eine Blockhütte Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien.

Die Lebenshilfe Celle gGmbH zeichnet sich durch zertifizierte Mitarbeiterfreundlichkeit aus. Das wirkt sich auch in den Räumlichkeiten für das Personal aus, die den gleichen Ausstattungsstandard wie die Zimmer der Mieter haben; Rückzugs-, Besprechungs- und Leitungsraum sind inzwischen selbstverständlich.

Die Wohnstätte liegt am nördlichen Stadtrand. In unmittelbarer Nähe ist eine parkähnliche Anlage mit einem großen Teich und weiteren Bewegungsmöglichkeiten. „Um die Ecke“ liegt das mit der Lebenshilfe verpartnerte Fairkauf Center Bergen. Dort entstehen auch ausgelagerte Arbeitsplätze. Der Fußweg in die Innenstadt beträgt zehn Minuten. Dort stehen den Mieter verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Ärzte sowie Freizeiteinrichtungen zur Verfügung. Die ideale Lage ermöglicht es vielen Mieter eigenständig Besorgungen zu erledigen, Kontakte neu zu knüpfen, an Festen teilzunehmen, Termine wahrzunehmen sowie Einrichtungen des öffentlichen Lebens zu besuchen und somit am gesellschaftlichen Leben teil zu haben.

Im südlichen Stadtteil, rund 20 Minuten Fußweg entfernt, liegen die Werkstätten, die jetzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß gut zu erreichen sind.

2013 kam die Nachricht vom Umzug für Gruppenleitungen und Mieter noch recht überraschend. Er war aber durch mehrere Faktoren unumgänglich: Zum einen sah der Brandschutzbeauftragte kaum wirtschaftliche Lösungen, das Gebäude in Hustedt sicher weiter zu nutzen. Zum andern war der Gedanke des inklusiven Wohnens an diesem Standort nicht zu realisieren. Was für ein Ferienheim noch durchgehen konnte, auf Nachfragen auch kaum als Jugendherberge oder Jugendbildungshaus hätte Verwendung finden können, kann auch nicht als Wohnstätte für Menschen, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen und sollen, genutzt werden. Auch Betreiber von Altenwohnstätten lehnten die Nutzung aus diesen Gründen ab. (cz)

Cellesche Zeitung / Seite 11
Dienstag, 11. September 2018

Den Artikel sehen Sie hier.