nach oben


Inklusion: "Weitgehend ist Schweigen eingetreten"

celle. Beim Neujahrsempfang der Lebenshilfe berichtete Geschäftsführer Dr. Clemens M. Kasper über abgeschlossene, begonnene sowie bevorstehende Projekte, die benachteiligten Menschen den Weg in ein gleichberechtigtes Leben bahnen oder zumindest erleichtern sollen. Etwa energetische Sanierungsarbeiten an Werkstattgebäuden und Umbauarbeiten am neuen Standort der Comenius-Schule in Garßen, wo Räumlichkeiten für eine Kindertagesstätte und eine integrative Krippe geschaffen werden. Nach dem Umbau des Restgebäudes wird die Comenius-Schule von Altencelle an ihren neuen Standort ziehen.

Auch über "Offene Hilfen" für Personen, die keine Wohnleistungen in Anspruch nehmen, das neue tagesstrukturierte Angebot für Senioren sowie Umbaumaßnahmen im Wohnpark Schieblerstraße wurde berichtet. An der Mozartstraße in Bergen wird derzeit ein Bauprojekt realisiert, das künftigen Mietern ein selbstständigeres Leben ermöglichen soll. Noch in der Planungsphase befindet sich ein Projekt, das Wohnraum für Menschen mit schweren Autismus-Spektrum-Störungen schaffen wird.

Als Gastredner hatte die Lebenshilfe Uwe Becker gewinnen können. Der Professor für Sozialethik, Verbändeforschung und Diakoniewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe brachte interessante Sichtweisen und Denkanstöße zum Thema Inklusion mit: "Ich meine, dass das Projekt der Inklusion Tendenzen der Ermüdung unterliegt, hat durchaus etwas damit zu tun, dass wir uns selber in einer kollektiven Burnout-Community befinden, deren Erschöpfungsgründe nicht selten in den erbarmungslosen Bedingungen des Arbeitsmarktes zu suchen sind."

Es sei dann vielleicht schon allein aus diesem Grund paradox, wenn gemeint würde, dass es Ziel der Inklusion sei, Menschen mit Behinderung genau an diesen Arbeitsmarkt heranzuführen. „Meinen wir wirklich, Inklusion sei annähernd geschafft? Meinen wir wirklich, es gäbe kein Flüchtlingsproblem mehr? Dennoch ist weitgehend Schweigen eingetreten, der öffentliche mediale Diskurs hat mittlerweile beide Themen ins Nirwana der Aufmerksamkeit katapultiert, öffentlich ist die Sache erledigt. Die Problematik liegt allein schon in der unverbindlichen Unschärfe des Begriffs Inklusion." Seine Ausführungen sorgten beim anschließenden Austausch für angeregte Diskussionen. (gla)

 "Die Problematik liegt schon in der Unschärfe des Begriffs Inklusion." Uwe Becker Professor für Sozialethik

Cellesche Zeitung / Seite 11

Samstag, 10. März 2018

Den Artikel sehen Sie hier.