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"Zeit der Anstalten ist vorbei"

WATHLINGEN. Klaus-Jürgen Tibulski klatscht in die Hände, als er von den Vorhaben hört, das in den kommenden Monaten an der Straße „Am Rehr“ in Wathlingen realisiert wird. Der 56-Jährige wird einer der Mieter sein, die noch in diesem Jahr in eine Wohnung des Apartmenthauses Wathlingen der Lebenshilfe Celle ziehen werden. Insgesamt wird das Haus in Wathlingen acht Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen barrierefreie Wohnmöglichkeiten in eigenen, für sich abgeschlossenen Apartments bieten. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Lebenshilfe Celle, Arved von Moller, sowie die zukünftigen Mieter Tibulski und Ralf Mohwinkel gaben mit den ersten Spatenstichen - an der Stelle des späteren Aufzuges - den Startschuss für das Projekt.

„Es ist das erste Haus, das nicht dezentral gebaut wird“, sagte Wathlingens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube, „ich hoffe, dass noch viel andere soziale Einrichtungen folgen.“ Grube selbst hatte sich für den Bau stark gemacht. „Inklusion darf nicht nach der Oberschule enden“, betonte der Verwaltungschef, „ich bin froh, dass die Zeit von Anstalten vorbei ist.“

Auf 535 Quadratmetern, verteilt auf zwei Ebenen, entstehen acht Apartments, die jeweils aus einem Vorraum, einer Nasszelle mit Dusche, einer Schlafzone, dem Wohnraum und einer kleinen Kochzeile bestehen. Darüber hinaus gibt es einen Gemeinschaftsraum und eine Dachterrasse sowie ein großes Bad mit Wanne.

Bei den neuen Mietern handelt es sich um Werkstattbeschäftigte der Lebenshilfe Celle, die in Wathlingen wohnen. Vor allem aus Altersgründen können sie zu Hause aber nicht mehr betreut werden. Zudem bieten die Apartments die Möglichkeit zur Verselbstständigung. Die notwendige Unterstützung erhalten die Mieter durch Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens der Lebenshilfe.

Eine Frau hatte in ihrem Testament verfügt, dass das Grundstück zu einer Hälfte einem Apotheker-Paar, das sie gepflegt hatte, und zum anderen Lobetal, wo sie gearbeitet hatte, zugute kommen sollte. Die nun entstehenden Apartments sollten da ganz in ihrem Sinne sein. „Die Wohnungen sind zentrumsnah und in der Umgebung gibt es Einkaufsmöglichkeiten“, sagte der Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle, Clemens Maria Kasper, der in einer kurzen Ansprache anlässlich der Grundsteinlegung auf die UN-Behindertenrechtskonvention hinwies, die
Deutschland zum Gesetz gemacht habe. „Menschen mit Beeinträchtigungen haben das Recht auf freie Wahl des Wohnortes“, sagte Kasper.
Gestern Nachmittag wurden die Pläne dann den zukünftigen Mietern und deren Angehörigen, die vorab Wünsche äußern konnten, vorgestellt. Die Vorfreude auf ihr neues Zuhause ist nicht nur bei Tibulski riesig. (me)

Cellesche Zeitung / Seite 21
Samstag, 12. März 2016

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