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Schüler wachsen über sich hinaus

Seit August gibt es weitere Kooperationsklasse der Comenius- und der Blumläger Schule

CELLE. Mit bunten Tüchern wedeln die Schüler der Kooperationsklasse zu ihrem Lied: "Die Welt ist bunt. Komm, sag es allen weiter", singen sie. Die bunte Welt ist das Motto der Kinder, denn 17 Schüler der 3A aus der Blumläger Schule und sechs aus der Comenius-Schule der Lebenshilfe arbeiten, spielen und lernen schon seit mehr als einem Jahr zusammen. Die körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen einiger Kinder stören hier niemanden.

"Wir blenden alle Nachteile der Inklusion aus und nutzen deren Vorteile", sagt Jens Rogosinski, Klassenlehrer der M1. In Kunst, Musik, Sport, Sachkunde und Religion werden die Schüler oft zusammen unterrichtet. Für Mathe, Deutsch und Englisch lernen die Schüler getrennt. "So wird niemand unter- oder überfordert", erzählt Sozialpädagogin Anne Lappe. Sie betreut die Comenius-Schüler zusammen mit Rogosinski im eigenen Klassenraum in der Blumläger Schule. Dazu wurde ein ungenutzter Werkraum umgebaut. Am Donnerstag wurde offiziell dessen Eröffnung mit geladenen Gästen gefeiert. Dabei trat die Klasse mit der eingeübten Choreografie auf, und es wurden Bilder aus vergangenen Aktionen gezeigt. Anschließend gab es die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Zu den Aktionen gehörten ein Ausflug in den Wildpark Müden, Bastel- und Backtage sowie gemeinsames Erleben an der Blumläger Schule. Die Kooperationsklasse nahm unter anderem am Sponsorenlauf "Wir laufen für Unicef" teil und besuchte ein Theaterstück.

"Die Kooperation hat für alle Vorteile", so Wibke Woehlert, Leiterin der Blumläger Schule. Weder von der Grund- noch von der Oberschule gab es Pöbeleien oder Sprüche gegenüber der M1. Die Grundschulkinder bauen Berührungsängste ab und lernen, Verantwortung zu übernehmen.

"Einen mehrfach beeinträchtigten Jungen schieben sie über den Schulhof und spielen mit ihm Ball", erzählt Ulrike Wagner-Weiß, Klassenlehrerin der 3A. "Einen anderen haben sie gefragt, warum er so komische Schuhe hat. Daraufhin hat er ihnen seine Prothese gezeigt." Durch die Offenheit der Schüler lernen sie einander kennen. Die Comenius-Schüler orientieren sich auch an ihren Mitschülern der 3A und wachsen über sich hinaus. Einige haben sogar einen 800-Meter-Lauf mitgemacht.

Viele Eltern schätzen die Entwicklung ihrer Kinder durch die Kooperation. Bei der Lebenshilfe können die Eltern selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Kooperationsoder die Parallelklasse der Lebenshilfe geben. "Dadurch entsteht kein Zwang", so Rogosinski. "Die Entscheidung hängt auch oft vom Beeinträchtigungsgrad der Kinder ab." Vorbild ist die schon das vierte Jahr laufende Klasse in Adelheidsdorf. Dort sind die Kinder der Comenius-Schule schon so weit integriert, dass einige sogar den Deutschunterricht der ersten Klasse besuchen können.
Marie Schiller

Cellesche Zeitung / Seite 15
Dienstag, 30. August 2016

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