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Bei Bildung auf Kooperation setzen

Kinder profitieren von integrativen Projekten der Lebenshilfe mit Regelschulen und Kindergärten
CELLE. "Kindern ein Zuhause geben" lautet das Motto des diesjährigen Weltkindertages, der seit seiner Geburtsstunde 1954 inzwischen in mehr als 145 Staaten gefeiert wird. Bei der 9. Vollversammlung der Vereinten Nationen empfahl diese ihren Mitgliedsstaaten, einen weltweiten Kindertag einzurichten, um den Einsatz für die Rechte der Kinder zu stärken und die Freundschaft unter den Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Kindern ein Zuhause geben, sie darüber hinaus zu fördern und ihnen Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen, waren sechs Jahre später auch die Gedanken der Eltern und Förderer, die 1961 die Lebenshilfe Celle gründeten. Mit der Betreuung und Förderung einer kleinen Gruppe geistig behinderter Kinder in der Arztpraxis Dr. Fritz Thies an der Mühlenstraße in Celle fing alles an. Einige Zeit später wurden Räume des alten Amtsgerichts an der Kanzleistraße und anschließend in der Pestalozzischule genutzt.

Neben einem Kindergarten wurde bald auch der Schulunterricht für die größeren Kinder aufgenommen. Die Comenius-Schule erhielt so bereits 1976, vor nunmehr 40 Jahren, ihre staatliche Anerkennung als Tagesbildungsstätte. Heute, 55 Jahre nach ihrer Gründung, ist die Lebenshilfe Celle mit ihrem Hauptsitz in Altencelle und insgesamt 20 Betriebsstandorten eine Komplexeinrichtung mit Hausfrühförderung, Kindergarten, Tagesbildungsstätte, Berufsbildungsbereich, Werkstatt, einem großen Wohnbereich sowie vielen weiteren Angeboten für beeinträchtigte Menschen aller Altersstufen.

Einer der Schwerpunkte der Lebenshilfe Celle liegt dabei noch immer im Bereich der Bildung von Kindern und Jugendlichen und damit der vollen Teilhabe am Leben von Anfang an. Auch wenn verbindliche Regelungen für inklusive Schulen noch immer fehlen, gegebenenfalls auch gar nicht so umsetzbar sind wie durch das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gefordert, setzt die Lebenshilfe mit der Comenius-Schule und dem Kindergarten Purzelbaum zuletzt auch immer mehr auf Kooperationen und integrative Projekte in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Regelschulen. So wurde im August 2016 in der Blumläger Schule die nach den langjährigen guten Erfahrungen in Adelheidsdorf bereits die zweite Kooperationsklasse eröffnet. Hier lernen alle Schüler in der gleichen Schule, aber jedes Kind kann im eigenen Tempo und mit der jeweils nötigen Unterstützung arbeiten. Auch der heilpädagogische Kindergarten Purzelbaum kooperiert seit über zehn Jahren mit einem Kindergarten der Stadt Bergen, wovon die Kinder beider Einrichtungen profitieren.

Für die Lebenshilfe Celle sind die genannten Projekte allerdings schon ein großer Schritt in die richtige Richtung der vollen Teilhabe, da diese einen Beitrag leisten und Basis dafür sind, die vielfältigen Fähigkeiten und Begabungen aller Kinder zu fördern. Auch weiterhin wird sich die Lebenshilfe Celle für eine Verbesserung der Förderbedingungen der Kindergartenkinder ebenso wie der Schüler einsetzen. Die Weiterentwicklung der Lehr- und Förderpläne gehört ebenso dazu wie die fachliche Weiterbildung der Mitarbeiter und die Nutzung geeigneter, barrierearmer Räume in ausreichender Zahl und Größe. Denn nach den kleinen Anfängen vor 55 Jahren fördert die Lebenshilfe Celle jetzt über 175 Kinder vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen.

Dabei gelten die Angebote der Lebenshilfe Celle schon lange nicht mehr als Lebensweg in eine "Sackgasse". Denn auch bei späteren Angeboten von der Bildung bis zum Berufseinstieg, dem Übergang aus der Schule in das Berufsleben, setzt das Celler Sozialunternehmen mehr und mehr auf die Öffnung nach außen und enge, kooperative Zusammenarbeit mit Bildungsträgern, Firmen und Unternehmen der Region. (cz)

Cellesche Zeitung / Seite 17
Dienstag, 20. September 2016

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