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Tag der Deutschen Sprache | 12.09.2020

Leicht und gut?

Wie wichtig ein selbstbestimmter Zugang zu Informationen ist, zeigt die Corona-Pandemie. Welche Verordnung gilt? Was ist erlaubt, was nicht? Bund und Länder stehen vor der Herausforderung, ihre Bürgerinnen und Bürger über all dies ausreichend zu informieren.

Dass Informationen in Leichter Sprache gerade in diesen Zeiten heiß begehrt sind, merkte die Lebenshilfe Celle: Eine auf Facebook veröffentlichte Leichte-Sprache-Anleitung für die Corona-Warn-App erreichte über 25.000 Menschen und wurde knapp 200-mal geteilt – eine Reichweite, von der die Seite mit knapp 550 „Gefällt mir“-Angaben sonst weit entfernt ist. Dabei gibt es immer noch Menschen, die den Sinn und die Notwendigkeit von Leichter Sprache nicht verstanden haben. Dazu gehört nicht zuletzt der Verein Deutsche Sprache e. V., der jährlich am 1. September-Samstag den „Tag der deutschen Sprache“ feiert. Er will damit ironischerweise für den Gebrauch von gutem und verständlichem Deutsch werben – doch was ist das überhaupt?

Wer entscheidet, was gutes Deutsch ist? Ist damit am Ende nur die korrekte Grammatik und Schreibweise deutscher Wörter und Sätze gemeint, oder geht es doch um mehr? Und ist „verständliches Deutsch“ nicht etwas ganz Persönliches? Die Verständlichkeitsforschung hat dazu im Laufe der Jahrzehnte viele Studien durchgeführt. Das Ergebnis: Ein guter, verständlicher Text ist einfach gehalten, mit kurzen Sätzen und Erklärungen für Fachwörter. Er ist übersichtlich gegliedert, bezieht sich auf das Wesentliche und ist für seine Zielgruppe interessant.
Leichte Sprache erfüllt diese Kriterien. Mit ihr werden zum Teil hochkomplexe Sachverhalte für Menschen aufbereitet, die sonst keinen selbstbestimmten Zugang zu diesen Informationen hätten. Dabei wird sprachlich vereinfacht, gegliedert und gekürzt, ohne jedoch die wesentlichen Inhalte aus dem Blick zu verlieren. Auch verfügt sie über eine gewisse Ästhetik: Die Sätze hangeln sich innerhalb eines Rahmens an einem roten Faden entlang und machen hier und da kurze Ausreißer zu Erklärungen von wichtigen Fach- und Fremdwörtern. Sie hat ihren ganz eigenen Rhythmus.
Vor allem aber ist sie verständlich. Gut gemachte Leichte Sprache ist deshalb immer auch gutes Deutsch. Oder, wie es Gaudenz Looser (Chefredakteur von „20 Minuten“) im Journalismus-Magazin „medium“ auf den Punkt brachte: „Es gibt keine Entschuldigung für unverstandene Texte. Kommunikation ist eine Bringschuld (…). Verständlichkeit hat nichts mit Vereinfachung zu tun. Nur mit Beherrschung der Sprache.“

Vielen Dank für die Veröffentlichungen:

https://celleheute.de/lebenshilfe-blickt-kritisch-auf-tag-der-deutschen-sprache

https://celler-presse.de/2020/09/11/tag-der-deutschen-sprache-am-samstag-12-september-2020/

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