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Überdurchschnittliches Engagement wurde gelobt


CELLE. Mit mehr als 200 Gästen feierte die Lebenshilfe Celle am vergangenen Donnerstag ihren Jahresempfang im neuen und zeitgleich offiziell eröffneten Zentrum für Inklusive Bildung (ZIB) des Bereiches Leben und Lernen in Garßen.
Unter den Gästen war neben zahlreichen Vertretern aus Kommunalpolitik, Verwaltung und regionalen Unternehmen auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der mit seiner Anwesenheit der Eröffnung eine besondere Bedeutung verlieh und in seiner Rede „das überdurchschnittliche Engagement der Lebenshilfe Celle“ lobend hervorhob. Auch Landrat Klaus Wiswe betonte die Einrichtung des neuen Zentrums als einen richtigen Weg, und dass die Lebenshilfe
in vielen Bereichen der Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung ein wesentlicher und überaus verlässlicher Partner für die Stadt und den Landkreis sei.
Comedian Martin Fromme, der selbst einarmig geboren wurde, sorgte mit einem Ausschnitt aus seinem Programm "Lieber Arm ab als arm dran" für den unterhaltsamen Teil des Tages und gab einen humoristischen, speziellen Blick auf das Thema Behinderung.
Unter der Leitung von Steffen Hollung, Leiter des ZIB der Lebenshilfe, bildeten 250 Kinder aus Schulen und Kitas im Anschluss den größten inklusiven Kinderchor.
Bereits seit ihrer Gründung 1961 gehört die Kinderbetreuung zu den erklärten Schwerpunkten der Lebenshilfe Celle. So sammelten sich zum einen ein großer Erfahrungsschatz und wertvolle fachliche Kompetenzen im Unternehmen an. Zum anderen resultiert aus diesem Selbstverständnis der anhaltende Anspruch, die eigenen pädagogischen Angebote stets zu optimieren und zeitgemäß weiterzuentwickeln, so der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Dr. Clemens M. Kasper.
Dass Menschen, insbesondere Kinder und Erwachsene mit Beeinträchtigung, diese Kompetenzen als Unterstützungsleistung nutzen und in Anspruch nehmen können und sogar einen Rechtsanspruch darauf haben, war nicht immer so. Gerade bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist die Erkenntnis ihres Rechtes auf Förderung erst sehr spät erwacht, und sie verlief in der Geschichte zum Teil in erschreckenden Kurven.
Ab 1964 betrieb die Lebenshilfe Celle im Haus Hohenesch in der Alten Dorfstraße eine Bildungsstätte für Menschen mit schweren und schwersten Beeinträchtigungen und beschulte so auch den Personenkreis, der erst mit der 1978 gesetzlich eingeführten allgemeinen Schulpflicht das Recht auf Bildung erhielt.
Von den Schrecken der Vergangenheit und dem langen Weg von der Verfolgung und Vernichtung, aus der Separation hin zum Recht auf Bildung und Beschulung, spüren die aus Altencelle umgezogenen Kinder, Schülerinnen und Schüler nichts mehr. Der Gedanke der Begegnung und Kooperation geht nun am neuen Standort in Garßen noch einen wichtigen Schritt weiter. In unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Gebäude befinden sich sowohl ein Regelkindergarten als auch eine Regelgrundschule und in Altenhagen die Berufsbildenden Schulen. So werden sich in Zukunft viele Chancen gemeinsamer Aktivitäten ergeben, mit denen Inklusion beworben und behutsam verwirklicht wird.

Celler Kurier | Seite 10 | Mittwoch, 13. Februar 2019

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