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Bei Lobetal wohnen und bei der Lebenshilfe arbeiten

Beim gemeinsamen Hausfest sprechen Altenceller über ihr Leben im Dorf

ALTENCELLE. Fröhlich geht es beim gemeinsamen Hausfest von Lebenshilfe und Lobetalarbeit am Sonntag zu. Kinder sausen beim Schubkarren-Rennen um die Wette, spielen Fußball-Dart und klettern in den Riesenballons, um den Parcours zu meistern. Die vielen Bewohner und Mitarbeiter von Lobetal und Lebenshilfe haben sich schon lange auf den großen Tag gefreut, um alte Bekannte wiederzutreffen. Es gibt auch einige Menschen, die den Geist des großen Festes verkörpern, weil sie sich beiden Behinderteneinrichtungen zugehörig fühlen.

Petra Voss wohnt mehr als 25 Jahre im Haus David von Lobetal und arbeitet seit 3 Jahren "drüben" in einer Werkstatt der Lebenshilfe. Die 56-Jährige sagt: "Ich packe Schrauben und Bohrer ein. Manchmal vernichten wir Papierakten. Auch das macht mir Spaß." Erst habe sie in der Lobetal-Werkstatt in Wietzenbruch gearbeitet. "Da habe ich mich aber mit einer Kollegin in die Wolle gekriegt. Jetzt bin ich auch froh, dass ich nicht mehr so viel mit dem Bus fahren muss", erzählt sie. "Ich will dort so lange bleiben, wie ich kann. Denkste, ich gehe nicht arbeiten?", sagt sie und lacht. „Wenn ich nicht arbeite, bin ich am liebsten auf dem Flohmarkt mit meiner Freundin Petra Schälicke unterwegs." Auch beim Hausfest sind die beiden Petras auf Schnäppchenjagd gegangen und haben für neun Euro fünf CDs und DVDs ergattert.

Auch Manuel Thomas ist ein Lobetal-Bewohner, der nur einmal über die Alte Dorfstraße muss, um zur Arbeit bei der Lebenshilfe gelangen. Stolz erzählt der 50-Jährige, dass er Brandschutzbeauftragter sei: "Das macht mir am meisten Spaß." Bei der Feuerwehr hat er schon verschiedene Übungen mitgemacht. In der Halle 11 der Lebenshilfe achtet er darauf, dass "alles in Ordnung ist". Also, dass das ganze Büromaterial aufgeräumt ist, die Feuerlöscher richtig hängen und keiner raucht. Doch die meiste Zeit verbringt Thomas mit Gartenarbeit. "Mit Gießen und Unkrautzupfen." Auch beim Hausfest erfüllt er eine wichtige Aufgabe. "Ich weise die Autofahrer ein", sagt er.

Zum Hausfest erinnert Lebenshilfe-Geschäftsführer Clemens M. Kasper daran, dass deutschlandweit 85.000 Vollbetreute erstmals an der Europawahl teilnehmen konnten. Das klinge zwar nach wenig, erklärt Kasper. "Aber konkret heißt das: Es sind so viele Menschen, wie Celle und Bergen an Einwohnern haben. Wenn Sie alle jetzt nicht wählen dürften, wird konkret, was es heißt, ausgeschlossen zu sein." (dag)

Cellesche Zeitung | Seite 11 | Dienstag, 28. Mai 2019
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