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Grundsteinlegung Wohnhaus ASS

Baulärm im Kopf

Grundsteinlegung: Autisten sollen in neues Wohngebäude einziehen

Altencelle. Da, wo Clemens M. Kasper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Celle, jetzt steht, soll bald der Gemeinschaftsraum entstehen. Noch ist davon nichts zu sehen. Gegossener Betonboden für das Fundament, kahle Steinwände, nur angedeutete Türen. Nach der Fertigstellung soll die Wohneinrichtung ein Zuhause für zwölf Menschen mit einer Störung aus dem Autismusspektrum bieten.

Gestern legte Kasper den Grundstein – gemeinsam mit dem Team, das dort mit den Bewohnern arbeiten wird. Das Datum ist bewusst gewählt. Der 2. April soll als Welt-Autismus-Tag weltweit auf die Entwicklungsstörung aufmerksam machen, initiiert von den Vereinten Nationen. Am Altenceller Weg sind die Institutionen lokal. Die Lebenshilfe Celle ist dort bereits mit Räumen vertreten. Kasper kann von seinem Büro aus die Baustelle sehen. "Man sieht, wie es ständig wächst und sich verändert, das ist sehr erbaulich", sagt Kasper.

Von oben betrachtet erinnert der Bau an zwei aneinandergelegte Stücke eines Halbkreises. 2016 hatte die Lebenshilfe ihre Gebäude analysiert und ein neues Konzept für Wohnen und Betreuung entwickelt. Klar strukturierte Räume sollen den Bewohnern die Orientierung erleichtern. „Wir haben das nicht als Heim geplant, sondern als Wohnhaus“, betont Kasper. Die Wohnungen werden vermietet, die Mieter von festen Bezugspersonen betreut. Reizüberflutung soll gezielt vermieden werden. "Diese Menschen brauchen viel Orientierungshilfe im Alltag, die wollen wir geben", erläutert Katharina Külp, Leiterin des Bereichs Leben und Wohnen bei der Lebenshilfe Celle.

"2020 wird es fertig sein. Ob nun am Anfang oder später, hängt davon ab, wie viel Nacharbeiten notwendig sein werden", sagt Angelika Hentschel, stellvertretende Leiterin Bereich Leben und Wohnen. "Was mit Geräuschen verbunden wäre, können wir nicht machen bei diesem Personenkreis", sagt Hentschel. In die für den Grundstein eingemauerte Zeitkapsel wandert neben einem Glücks-Cent und einer Ausgabe der Celleschen Zeitung auch ein Bauplan. "Es werden hier mehr Plätze sein, hier können zwölf Menschen leben, im anderen Haus waren es sieben", sagt Hentschel. Der Mietvertrag für die Wohngruppe lief Ende 2018 aus.

Zu den neuen Mietern wird auch die Tochter von Bärbel und Wolfgang Dippe aus Burgdorf gehören. Noch wird die 32-Jährige ambulant in der Fördergruppe in Celle oder zu Hause betreut. "Wir hatten immer die Hoffnung, wenn was gebaut wird, dass sie einen Platz bekommt", sagt Bärbel Dippe. "Es wird eine ganz große Umstellung", ergänzt ihr Mann. Trotzdem sind beide froh über die Chance. Denn schließlich erfordert die Betreuung auch dann vollsten Einsatz, wenn es einem selbst mal nicht gut gehe. "Das wird eine Entlastung", sagt die 62-Jährige.

Cellesche Zeitung | Seite 11 | Mittwoch, 3. April 2019

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