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Gedenktag "Fest für das Leben"

Celle erweist Ermordeten die letzte Ehre

„Ein Fest für das Leben“: Gedenktag für NS-Opfer mit Gottesdienst, Vorträgen und Ausstellung

Christoph Zimmer

CELLE. Der Titel eines besonderen Gedenktags betont den positiven Ausblick: „Ein Fest für das Leben“ heißt es am Samstag, 25. Januar, in der Celler Stadtkirche. Vier große Organisationen ziehen dabei an einem Strang. Neben dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Celle sind das die beiden großen Institutionen, die sich um Behinderte kümmern, die Lebenshilfe und Lobetalarbeit. Zudem ist die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten mit im Boot. Rund um diesen Gedenktag haben die Verantwortlichen einige Veranstaltungen herumgruppiert, die das Gedenken an die so genannten „Euthanasie“-Opfer des Nationalsozialismus wachhalten sollen.

Die Idee zu diesem Gedenktag hatte Lebenshilfe-Geschäftsführer Clemens M. Kasper: „Es gibt zwei Aspekte: zum einen den, einer Opfergruppe zu gedenken, über die man wenig weiß, und zum anderen den gegenwärtigen Aspekt, dass wir zeigen: Wir sind ein Teil der Gesellschaft, wir sind akzeptiert.“

Im Lobetal-Vorstand Ulrike Drömann fand Kasper eine Gleichgesinnte. Ihr ist das Thema sehr wichtig. Sie weiß, dass es während der NS-Zeit zwei Wege gab, Behinderte zu ermorden. Neben den großen Tötungsanstalten wie Hadamar und Pirna-Sonnenstein gab es in kleineren Heimen Täter, die ihre Zöglinge aushungerten oder durch Spritzen töteten. „Die Verabreichung billiger Nahrungsmittel wie Steckrübensuppe sorgte für Mangelversorgung und eine extreme Eigentätigkeit im Magen, woran die Bewohner starben.“

Ausstellung im Neuen Rathaus: Bereits ab Montag, 13. Januar, ist im Neuen Rathaus die Ausstellung „,Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt.‘ Frauen als Opfer der ,T4‘“, zu sehen. Diese Ausstellung der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg ist dort während der Öffnungszeiten des Rathauses bis zum 31. Januar zu sehen.

„Kindermord im Krankenhaus“: Bereits am Dienstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, trägt CZ-Redakteur Andreas Babel im Kantoreisaal der Stadtkirchengemeinde, Kalandgasse 5, in Celle zum Thema „Kindermord im Krankenhaus“ vor. Im Unterschied zu früheren Vorträgen wird er neben fünf Opfern hierbei gezielt auf die spätere Celler Kinderärztin Dr. Helene Darges-Sonnemann eingehen. Zum Schluss wird der Buchautor die neuen Formen des Gedenkens in Wort und Bild zeigen.

Gedenk-Gottesdienst mit Infostand: Am Samstag, 25. Januar, 11 Uhr, laden die Organisatoren in die Celler Stadtkirche zum Gedenk-Gottesdienst ein. Die Predigt wird Pastorin Ulrike Drömann halten. Es singen der Lobetal-Chor „Sonnenstrahlen“ unter der Leitung von Peter Schulze und der Chor der Lebenshilfe unter Leitung von Barbara Wegerif.

Dieser Gedenktag wird durch einen Infostand am Pranger – also mitten im Wochenmarktgeschehen platziert – flankiert. „Wir wollen hier früh präsent sein und es gibt auch etwas aus der Lobetalküche“, sagt deren Pressesprecher Markus Weyel. Von 8 bis 15 Uhr ist der Infostand mit Ansprechpartnern besetzt, so dass auch nach dem Gottesdienst Gelegenheit besteht, über das schwere Thema miteinander zu sprechen.

„Den Opfern ein Gesicht, den Namen wiedergeben“: Am Montag, 27. Januar, 19 Uhr, wird Dr. Carola Rudnick, die Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg, im Kantoreisaal, Kalandgasse 5, über die Opfer der „Euthanasie“ und Rassenhygiene aus der Region Celle referieren. Dabei hat die Historikerin die Namen von 56 Getöteten und weiteren 16 zwangssterilisierten Frauen und Männern herausgefunden.

Rudnick wird auf die Zwangssterilisationen im Gerichtsbezirk Lüneburg-Celle, auf die Kinderfachabteilung Lüneburg und auf die Opfer der „T4“, die von der Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt in die Tötungsanstalten Hadamar und Pirna-Sonnenstein verlegt wurden, eingehen.

„Es wird ein Einblick in aktuelle und noch laufende Forschungen werden“, so Rudnick. Im Rahmen dieses Vorhabens ist geplant, noch in diesem Jahr einen Stolperstein für ein Celler Opfer der NS-„Euthanasie“ zu verlegen. Spenden werden für dieses Projekt verwendet.

Cellesche Zeitung | Seite 15 | Samstag, 11. Januar 2020
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